Sammeln

 

Forschen

Wie groß muss die Faszination an etwas sein, dass man es unbedingt besitzen möchte? So immens hoch, dass man dafür leidet. Sammeln ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft.

Egal ob man sich für Kunst, alte Autos, Puppen oder Militaria begeistert, der Zeitpunkt mit dem Sammeln zu beginnen kann einen jederzeit treffen. Dabei sucht man sich nicht einfach aus, was man ab sofort sammelt, sondern man fängt immer genau dann damit an, wenn die Begeisterung für ein Thema einen nicht mehr loslässt. Warum sich nun ein jeder Sammler für sein Thema begeistert und wie viel Zeit und Geld er investiert, ist so unterschiedlich, wie die Sammelgebiete selbst. Eines haben jedoch alle gemeinsam. Jede Sammlung bewahrt die Geschichte verschiedenster Dinge vor dem Vergessen.
 

  

Jeder Sammler ist ein Hobby-Forscher. Interessiert man sich für ein Thema, fängt man an nachzufragen. Aus Nachfragen wird Nachhaken. Aus Nachhaken wird Nachforschen. Der Großteil der Sammler sind natürlich Hobby-Forscher. Doch sollte man die Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden und teilweise mit großem Aufwand betrieben werden nicht unterschätzen.
Mit den Nachforschungen steigt natürlich das eigene Fachwissen und so staunte ich nicht schlecht, als ich das erste Mal in einem Museum mit Erschrecken feststellen musste, dass Ausstellungsstücke nicht Original oder fachlich falsch dargestellt waren. Neben der Möglichkeit auf gute Fachliteratur und Archive zurückgreifen zu können, eröffnen die technischen Möglichkeiten heutzutage vielen Sammlern immense Möglichkeiten. Das gesammelte Wissen kann weltweit und in kürzester Zeit mit anderen Sammlern ausgetauscht, ausgewertet und geteilt werden.


 











Restauration

Vor nicht all zu langer Zeit wurden Stücke in der Sammlung geputzt, gereinigt, geölt, ergänzt oder ausgebessert. Auch heute treffen all diese Punkte zu, um das ein oder andere Exponat vor dem Verfall zu bewahren. Der Unterschied zur damaligen Restauration ist, dass ein Helm nach heutigem Empfinden so unberührt wie möglich aussehen und gleichzeitig vor dem Verfall bewahrt werden soll. Nun kann man pauschal keinen standardisierten Tipp für einen Helm im Zustand "Bodenfund", "Flugrostig" oder "Staubig" aussprechen. Da jeder Sammler ein unterschiedliches Bild davon hat, wie ein Helm maximal oder minimal behandelt werden darf. So sei an dieser Stelle auch gewarnt, dass man selbst mit einem Lappen und etwas Wasser 70 Jahre alte Patina entfernen kann! Sollte man jedoch in Erwägung ziehen einen Helm fachmännisch zu restaurieren, kann ich nur das "zu Rate ziehen" eines erfahrenen Sammlers mit guten Restaurationskenntnissen empfehlen. Die oberste Tugend ist dabei Geduld zu bewahren und nichts zu überstürzen. Fast alle übereilten Entscheidungen sind irreparabel.

Restaurationsbeispiele:
- Reinigung eines Helmes
- Restauration eines Kinder-Kürassierhelmes


Reinigung eines Helmes



Dieser Helm wurde auf einem Dachboden gefunden, auf dem er seit Kriegsende unbeachtet lag und im Laufe der Zeit stark verdreckte. Hinzu kam ein Flugrostbefall, der an einigen Stellen die Farbe des Helms komplett zersetzte. Der Helm ansich ist für viele Sammler in einem unberührten Zustand und würde so in der Sammlung stehen bleiben. Nach langem Abwegen fiel für diesen Helm die Entscheidung auf eine Restauration. Das Ziel war, die vorhandene Farbe bestmöglich zu erhalten und den Flugrostbefall zu stoppen.




Eine direkte Reinigung des Helms war nicht nötig, da keine schwere Verschmutzung vorlag. Zur Reinigung reichte ein Stück Stoff (alte Socke), die mit einem Tropfen Balistol-Öl getränkt war. Diese Tropfen waren für etwa 20 - 40 cm² Helmoberfläche vorgesehen. Da die Farbe bzw. die flugrostige Oberfläche an verschiedenen Stellen unterschiedlich viel Öl aufnahm, war Vorsicht bei der Dosierung geboten. Das Ziel war so wenig Öl wie nötig zu verwenden. Der Helm sollte nicht in Öl getränkt werden.




Nach dem behutsamen Auftragen des Öls, sollte der Helm abschließend mit einem trockenen Lappen abgewischt werden. So kann überschüssiges Öl entfernt bzw. noch einmal verteilt werden. Nun vergingen etwas mehr als 6 Monate, bis das Öl vom Helm aufgenommen und die Überschüsse in der Luft verflogen waren.
Die Entscheidung einen Helm zu restaurieren oder aufzuarbeiten obliegt jedem selbst. Fällt die Entscheidung auf eine fachmännische Restauration, wird der Verfall gestoppt und der Helm bleibt länger erhalten.



Restauration eines Kinder-Kürassierhelmes



Noch vor den Blechspielzeug-Stahlhelmen der 30er-Jahre gab es Spielzeug-Pickelhauben und Spielzeug-Kürassierhelme. Bei der hier abgebildeten Helmkarlotte handelt es sich um den Rest eines solchen Spielzeug-Kürassierhelmes. Die Entscheidung fiel auf eine Komplett-Restauration, da originale Teile sehr schwer oder gar nicht zu bekommen sind. Für die Restauration des Helmes wurde auf selbstgebaute, den Originalen ähnelnde Teile als auch auf Repro-Teile zurückgegriffen. Diese Teile wurden durch einen künstlichen Alterungsprozess dem Zustand des Helmes angepasst.




Im ersten Schritt wurden die Helmkarlotte und Reste des Nackenschirmes ausgebeult und in Form gebracht. Der fehlende Teil des Nackenschirmes wurde neu gerfertigt. Nach der Anpassung und Befestigung an der Helmkarlotte wurden dieser farblich dem Helm angepasst und mit einer künstlichen Patina versehen.




Im nächsten Schritt wurde die Innenausstattung nach originalem Vorbild gefertigt, angepasst und im Helm verbaut. Stern, Korkade und Schuppenkette stammen von Feuerwehr- und anderen Spielzeughelmen und wurde an diesen Helm angepasst.




Eine Komplett-Restauration kommt nicht oft in Frage. Bei solch einem seltenen Stück ergibt sie allerdings Sinn. Auch hier gilt, die Entscheidung einen Helm zu restaurieren oder aufzuarbeiten obliegt jedem selbst. Fällt die Entscheidung auf eine fachmännische Restauration, kann der Helm in einen ursprungsähnlichen Zustand versetzt werden.
Bildmaterial: H.L. Sammlung

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