Vorwort

Nach der Einführung des Stahlhelms und den damit spürbaren vermeidbaren
Kopfverletzungen, gehörte der Stahlhelm fest zur Ausrüstung eines jeden
Soldaten. Die Entwicklung begann im Ersten Weltkrieg und läuft
bis heute. Bis zum heutigen Gefechtshelm der Bundeswehr war
es ein langer Weg. Auf dieser Seite möchte ich auf die
technische Entwicklung des Helms und den Wandel
des äußeren Erscheinungsbildes eingehen.
 

 

Der Erste Weltkrieg
Sondermodelle & Prototypen
Reichswehr 1921 - 1934
Reichswehr / Wehrmacht 1934 - 1939
Wehrmacht 1939 - 1945
Bundesgrenzschutz & Bereitschaftspolizei
Die Nationale Volksarmee
Der deutsche Stahlhelm im Ausland
 

 

Der Erste Weltkrieg

Im Jahre 1916 wurde der Stahlhelm beim Kaiserlichen Heer eingeführt und löste damit die Pickelhaube an den Fronten ab. Im modernen Krieg bot er weitaus mehr Schutz als die Pickelhaube, da die Zerstörungskraft der modernen Waffen eine völlig neue Dimension annahm. Hierfür war die Pickelhaube nicht mehr geeignet. Die ersten Stahlhelme erhielten einen hellen grünen Anstrich. Im Laufe des Krieges wurden die werksmäßigen Anstriche immer dunkler. Aus einem anfänglich hellen bis mittleren Grün, wurde ein dunkles Grau. An einigen Frontabschnitten praktizierten Soldaten einen Mehrfarbanstrich, auch bekannt als Mimikri-Anstrich. Im Laufe des Krieges wurden die Anstriche auf den Helmen nicht nur dunkler, sondern auch matter. Zum Ende des Ersten Weltkriegs sind filzartige Anstriche aufgetragen worden, die weitaus weniger Licht reflektierten als die normalen Werksfarben. Dabei wurden der Farbe Textilfasern beigemischt, die sich dann beim Lackieren des Helms in der Farbe befanden. Die Entwicklung des Stahlhelms endete vorläufig mit dem Stahlhelm 18 mit Ohrenausschnitt zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918.

 

Sondermodelle & Prototypen

Die Entwicklung des Stahlhelms schritt ununterbrochen voran. 1916 wurde von dem eingeführten Modell der Leder-Innenring 1917 durch ein Stahl-Innenring ersetzt. 1918 löste diesen Stahl-Innenring ein Innenring mit einem daran befestigten Kinnriemen ab. Im Jahr 1918 wurde ein weiter entwickeltes Modell des Stahlhelm 18 eingeführt, bei dem sich auf der linken und rechten Seite des Seitenschirms ein Ausschnitt über den Ohren befand. Schriftstücke, die den genauen Zweck dieser Veränderung beschreiben, sind nicht bekannt. Bisher geht man davon aus, dass dadurch eine bessere Akkustik beim Tragen des Helms gewärleistet werden konnte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Heer auf 100.000 Mann begrenzt und Bestände der Armee entmilitarisiert oder zerstört. Dennoch schritt die Entwicklung der Kriegsmaschienerie voran.
Das in den Kasernen aus Materialmangel auch improvisiert wurde, zeigt ein Helm, der bei der Reichswehr in Stuttgart überarbeitet und verwendet wurde. Bei diesem Helm wurde aus einfachsten Mitteln ein neuer Innenring und drei Lederlaschen selbst gefertigt. Bei der Abnahme erhielt der Helm einen Abnahmestempel in Form der Einheit und des Standortes.
Fragen wirft ein Helm mit einer an der Stirnseite zusätzlich angebrachten Panzerplatte auf. In der Fachliteratur sind dazu keine Informationen zu finden. Bei der Anbringung einer solchen Platte wurde der Helm zerlegt und erhielt mehrere Bohrungen, in denen starke Nieten die ca. 1,0 -1,5 mm dicke Platte und den Helm zusammen hielten. Anschließend wurden diese Helme neu angestrichen. Bei diesem Typ der Panzerplatte lässt sich über den Zweck nur spekulieren. Die gleiche Schutzwirkung wie durch eine Stirnplatte konnte auf keinen Fall erzielt werden. Das Handling des Helms war im Vergleich zum Stirnschild allerdings deutlich besser.
Zur Weiterentwicklung gehören auch Stahlhelme des Typs Modell 1918, bei denen die Lüftungsbolzen fehlten. Auch hierzu liegen zur Zeit keine Erkenntnisse vor, warum diese weggelassen wurden. Auf Fotos der frühen 30er Jahre sind diese Helme das erste Mal dokumentiert. Getragen von Reichswehr-Offizieren. Bei dem hier gezeigten Modell handelt es sich um einen M16 mit aptierten Lüftungsbolzen. Warum diese Veränderung vorgenommen wurde ist nicht bekannt. Der Helm erhielt nach der Ummodellierung drei weitere Anstriche, welche belegen, dass diese Veränderungen in den frühen 30er Jahren vorgenommen wurde. Bei den Anstrichen handelt es sich um einen braunen SA-Anstrich, einen schwarzen SS-Anstrich mit handgemalten SS-Runen (um 1933-1934) und einen feldgrauen Anstrich.
 

Reichswehr 1921 - 1934

Bei der Aufstellung der Reichswehr 1919 wurden die Stahlhelme des Kaiserlichen Heeres übernommen. Bei der Reichswehr erhielten sie im Laufe der Zeit verschiedene neue Anstriche. Diese variierten dabei von einem anfänglichen hellen Grau, über dunkle Grautöne bis hin zu olivgrünen Anstrichen.
In den Jahren 1921 bis 1932 wurden in den Ländern verschiedene Länderwappen auf der linken Seite der Helme getragen. In Bayern waren die Wappen beispielsweise blau/weiß, in Preußen schwarz/weiß. Die zwei oder dreifarbigen Wappen waren mit einem Pinsel von Hand aufgemalt. Für Manöver-Übungen wurde 1932 das Manöverband eingeführt. Das wurde über den Helm gezogen und durch einen Haken an der Rückseite des Helms gesichert. Eine Seite des Bandes war rot, die andere gelb. So war ein optisches Unterscheiden der jeweiligen Truppe während eines Manövers leichter möglich.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde ein einheitliches Wappen an den Helmen angebracht. Auch dieses schwarz/weiß/rote Wappen wurde per Hand mit einem Pinsel an der linken Helmseite aufgemalt. Der Anstrich der Helme wurde nun noch einmal etwas dunkler. Die neuen und vereinheitlichten Wappen wurden nur kurze Zeit bis zum Frühjahr 1934 getragen.

 

Reichswehr / Wehrmacht 1934 - 1939

Schon vor der Umbenennung der Reichswehr in Wehrmacht am 16. März 1935 gab es neben optischen Änderungen an Uniformen & Fahrzeugen auch eine einheitliche Regelung für das Anbringen von Emblemen in Form der Landesflagge auf der rechten Seite und dem Hoheitsabzeichen in Form eines sitzenden Adlers auf der linken Seite am Stahlhelm. Die Helme der Reichswehr wurden auch bei der Wehrmacht weiter genutzt. Die ursprünglichen dunklen, feldgrau Helme erhielten einen helleren, grünen Anstrich. Ab 1934 wurden nach und nach alle Standorte mit den neuen Emblemen beliefert, die 5 mm unter dem Lüftungsbolzen (Stahlhelm 16-18) bzw. den Lüftungslöchern (Stahlhelm 35-42) angebracht wurden. Verfügte anfänglich ein Standort noch nicht über die neuen Abzeichen, wurden vereinzelt für repräsentative Zwecke die Abzeichen per Hand auf die Helme aufgemalt. Mit der Einführung des Stahlhelms 35 wurde auch der werksmäßig aufgebrachte, "apfelgrüne" Farbton eingeführt. Je nach Hersteller konnten die Farben dabei heller, dunkler, matt oder glänzender ausfallen. Neben der Wehrmacht wurde auch die Polizei, die SS und ab 1937 auch die Kriegsmarine mit "apfelgrünen" Stahlhelmen 35 beliefert. Die Abzeichen wurden den jeweiligen Truppengattungen im Werk oder auch am Standort entsprechend aufgebracht. Die Luftwaffe erhielt den Stahlhelm 35 in einer blaugrauen Lackierung. Das Hoheitsabzeichen in Form eines fliegenden Adlers gab es in zwei Versionen. Das zweite Modell löste den Adler in der ersten Form gegen 1937 ab.

 

Wehrmacht 1939 - 1945

Als im Jahr 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, kamen die Stahlhelme mit ihren recht hellen, "apfelgrünen" Werksanstrichen und den darauf angebrachten Emblemen bei der Wehrmacht, Luftwaffe und Kriegsmarine zum Einsatz. Schnell erkannte man, dass die Farbe auf den oftmals glänzenden Helmen keine gute Tarnwirkung im Gelände erzielte. Die Truppe tarnte die Helme mithilfe von Blättern, Zweigen oder Gräsern, indem sie vorab Tarndrähte, Gummis oder den Riemen ihrer Brotbeutel über die Helme zogen und so das Tarnmaterial befestigen konnten. Es wurden aber auch ein-, zwei- oder dreifarbige Tarnanstriche aufgepinselt oder mit der Sprühpistole aufgetragen. Nicht selten wurden dabei Holzspäne oder kleine Steine der Farbe beigemengt, um eine höhere Lichtbrechung und damit einen matteren Anstrich zu schaffen. Ab 1940 fiel das Emblem (Landesflagge) auf der rechten Seite weg, ab 1941 auch die Hoheitsabzeichen der Wehrmacht, Luftwaffe und Kriegsmarine. Dennoch wurden vorhandene Bestände weiter auf den Helmen verwendet oder bis zum Ende des Krieges getragen und nicht von den Helmen vorschriftsmäßig entfernt.
Ab 1940 erhielten die neu produzierten oder werksmäßig überarbeiteten Helme einen rauen feldgrauen Anstrich und das Hoheitsabzeichen der jeweiligen Truppengattung, ab 1941 wurden die Hoheitsabzeichen nur noch vereinzelt angebracht. Bis zum Schluss kamen auch Stahlhelme des Ersten Weltkriegs (Stahlhelm 16, Stahlhelm 18, Stahlhelm Modell 1917 österreichisches Modell, tschechisches Modell Vz20) zum Einsatz und wurden vorschriftsmäßig überarbeitet.

 

Bundesgrenzschutz & Bereitschaftspolizei

Der 1951 gegründetete Bundesgrenzschutz war eine Sonderpolizei des Bundes und hatte die Aufgabe, die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland zu schützen. Zur Ausrüstung des BGS gehörte unter anderem ein Stahlhelm. Anfänglich wurde hier auf Bestände alter Wehrmachtshelme vom Typ M35, M40 oder M42 zurück gegriffen. Ab 1953 wurde das Modell 1953 eingeführt. Mit der Einführung dieses Helmes gab es auch eine Anpassung vorhandener Helme.
Während der Stahlhelm des Bundesgrenzschutzes eine schützende Funktion im Gefechtseinsatz hatte, war der Einsatz des Stahlhelms der Bereitschaftpolizei bei inneren Polizei-Einsätzen wie Demonstrationen oder für repräsentative Zwecke vorgesehen.
 



 

 

Nationale Volksarmee

Autor S.B.:
Die Nationale Volksarmee der DDR trug auf ihrem grauen Stahlhelm M56 anfangs ein Wappenschild in den Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold.
Dieses wurde allerdings ab 1961 weggelassen. Neben diesen Abzeichen, gab es auch noch in den späteren Jahren Markierungen an Helmen von Soldaten mit Ordnungs- und Sicherungsaufgaben, sowie zur Feindkennung in Truppenübungen und Manövern.
Zur Tarnung wurden Netze und Stoffüberzüge verwendet. Selten findet man Belegstücke von auflackierten Tarnfarben, die nur zu Versuchszwecken oder vereinzelt eigenmächtig aufgebracht wurden.
Es gab weiterhin ein Modell mit spezieller Inneneinrichtung für Kradfahrer und auch Varianten aus Plastik zur Parade und für die Wachregimenter und Musikzüge.

Man kann die Entwicklung des M56 grob in drei Zeiträume einteilen:
Von 1957 (Start der Serienproduktion) bis 1967 wurde eine nicht verstellbare Inneneinrichtung von drei festen Nieten in der Glocke gehalten. Ab 1966 wurde eine verstellbare Innenausstattung an 6 eingelöteten Knöpfchen entwickelt und getestet. Ergebnis war der Wegfall nach außen sichtbarer Nieten. 1976 wurde dann noch einmal das Herstellungsverfahren geändert. Hiermit wurde erreicht, dass der Scheitel vom vorher schwächsten Punkt zum stärksten Punkt der Helmschale wurde. An der grundsätzlichen Form des Helms änderte sich bis zum Ende nichts.


 

Deutsche Stahlhelme im Ausland

Deutsche Stahlhelme wurden und werden nicht nur bei der deutschen Armee getragen. Die Entwicklung des deutschen Stahlhelms war 1915 abgeschlossen und der Helm zu Beginn des Jahres 1916 beim Kaiserlichen Heer eingeführt. Bereits 1917 unterstützte das Deutsche Kaiserreich Teile der finnischen Armee unter anderem auch mit Stahlhelmen. Der Deutsche Stahlhelm war aber auch in der bulgarischen, lettischen oder tschechischen Armee zu finden. Österreich führte ab 1917 ein Stahlhelm nach Deutschem Muster bei der k.u.k. Armee ein. Hier wurde sich an der Form des deutschen Stahlhelms nicht nur orientiert, die Form wurde komplett übernommen. Aber auch in der k.u.k. Armee wurden Mindermengen durch deutsche Stahlhelme vom Typ M16 und später M18 aufgefüllt.
Auch Irland führte 1927 einen Stahlhelms ein, der die Form des deutschen Stahlhelms hatte. Die Helme wurden in den Vickers-Werken in England gerfertigt und bis 1939 bei der irischen Armee getragen. Anschließend erhielten diese Helme einen weißen Anstrich und wurden im Zivilschutz weiter verwendet. Spanien führte 1942 mit dem Modell Z-42 ebenfalls einen Stahlhelm ein, der die Form des mordernen M35 aufwies.
Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Länder, in denen deutsche Stahlhelme getragen wurden immer weiter. Von Afghanistan, über China bis hin zu Ländern wie Bolivien, Argentinien, Chile oder der Dominikanischen Republik entschied man sich für das deutsche Modell.
Nach dem zweiten Weltkrieg hinterließ Deutschland in vielen Ländern große Menge an militärischer Ausrüstung. So griff beispielsweise die norwegische Armee nach dem zweiten Weltkrieg auf die Hinterlassenschaften der Wehrmacht und damit auf sämtliche deutsche Stahlhelm-Modelle zurück. Diese wurden überarbeitet und erhielten unter anderem auch norwegische Hoheitsabzeichen. Finnland importierte ab dem Jahr 1955 sogar neu produzierte Stahlhelme aus Deutschland in der alten Form des Stahlhelms 40. Ehrenformationen tragen zum Teil heute noch Paradehelme in der Form des deutschen Stahlhelms aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Ländern wie Chile.
In den Jugoslawienkriegen wurden Stahlhelme der ehemaligen NVA vom Typ 56/76 in den unterschiedlichsten Konfigurationen auf allen Seiten getragen.